Herausgeber

Priv.-Doz. Dr. med. Dipl.-Oec. med.
Alexander Joist

Asklepios Klinikum Bad Abbach
Chefarzt Orthopädie II
Kaiser-Karl-V.-Allee 3
93077 Bad Abbach

Telefon: 09405 / 18 - 2306

Aufbau einer Sprunggelenkprothese

Das Sprunggelenk verbindet als komplizierte Gelenkkonstruktion den Unterschenkel mit dem Fuß. Anatomisch wie funktional betrachtet bilden 5 unterschiedliche Knochen dieses zweiteilige Gelenk.

Das obere Sprunggelenk (OSG) – Die Anatomie

Das obere Sprunggelenk wird häufig auch als Fußgelenk bezeichnet und besteht aus drei Knochen. Der Außenknöchel, die äußere Knöchelgabel und das Schienbein bilden die innere Knöchelgabel. (lat: Fibula + Tibia). Zur Übertragung der Kraft auf den Fuß kooperiert das Sprungbein (Talus) als Gelenk – Gegenspieler. Dabei wird das Sprungbein von der Knöchelgabel (Malleolengabel) aus Schien- und Wadenbein u-förmig umgeben. Waden- und Schienbein holen sich in ihrer Position und Funktion den notwendigen Halt durch eine sehr feste Bandverbindung (Syndesmose). Außerdem leisten hier drei weitere Stabilisationsbänder wichtige Arbeit: das Ligamentum fibulotalare anterius, das Ligamentum fibulocalcaneare und das Ligamentum fibulotalare posterius.

Funktion des Sprunggelenks

Die Kraft des Schienbeins wird vom oberen Sprunggelenk aufgenommen und auf das untere Sprunggelenk übertragen. Von hier aus wird die Kraft durch den Vorfuß und den Rückfluss auf den Boden übertragen. Das obere Sprunggelenk ist ein Scharniergelenk, das eine minimale Rotationsmöglichkeit hat. Das normale gesunde Sprunggelenk lässt sich ca. 20-25° stecken (Zehen Richtung Nasenspitze) und rund 30 – 40° beugen (Zehen Richtung Fußboden). Außerdem lässt das obere Sprunggelenk es zu, dass der Fußaußenrand ca. 10° angehoben werden kann (Eversion), während der Fußinnenrand ca. 20° angehoben werden kann (Supination).

Unteres Sprunggelenk – Anatomie

Das untere Sprunggelenk hat seine normale Position unterhalb des oberen Sprunggelenks. Zur Bildung seiner Gelenkfläche beteiligen sich drei Fußwurzelknochen: Das Sprungbein (Talus) stellt den oberen (proximalen) Gelenkkörper, das Fersenbein (Calcaneus) und das Kahnbein (Os naviculare) stellen den unteren (distalen) Gelenkkörper dar. Das untere Sprunggelenk wird durch zwei Knochenrinnen (Sinus tarsi) in zwei Gelenkhöhlen geteilt. Dazu gehören die hintere Articulatio subtalaris (Subtalar-Gelenk) sowie die vordere Articulatio talocalcaneonavicularis. Es ist – analog zum oberen Sprunggelenk -ein Scharniergelenk, lediglich seine Achse ist eine andere, damit es andere Bewegungen unterstützt. Erst durch die Kombination beider Gelenke entsteht ein großes Bewegungsrepertoire. Im unteren Sprunggelenk haben zwei Bewegungen ihren Ursprung, das Heben des seitlichen Fußrandes und das Heben des inneren Fußrandes.

Die Sprunggelenks-Veränderungen

Aus unterschiedlichen Gründen kann das Sprunggelenk von Arthrose befallen werden. Die therapeutische oder operative Antwort vieler Orthopäden folgte oft die Versteifung des Gelenks. Die Ergebnisse daraus sind eine deutliche Bewegungseinschränkung im Sprunggelenk, die das natürliche Gangbild stark beeinträchtigt und eine daraus resultierende Überbelastung der benachbarten Gelenke. Davon sind das Knie, die Hüftgelenke, die Fußgelenke und das untere Sprunggelenk beeinflusst. Es erschien fast paradox, dass Knie- und Hüftprothesen längst zum medizinischen operativen Alltag gehörten, die Resultate der Sprunggelenksprothesen aber nie so recht Erfolg haben wollten.

Entwicklung, Innovation und die unermüdliche Forschung medizinischer Ingenieure führten zu enormen Fortschritten in der Prothesenkonstruktion.

Der Aufbau einer Sprunggelenkprothese

Im Unterschied zu vielen anderen Prothesen werden Sprunggelenksprothesen stets als einwachsende Implantate operiert. Das bedeutet, dass sich das Material im Verlauf der postoperativen Monate mit dem knöchernen Umfeld verwächst und es so zu eine sehr stabilen Verbindung kommt. Die Sprunggelenksprothese besteht im Wesentlichen aus drei Elementen. Das Sprungbein und die Schienbeingelenkfläche bekommen eine Metallkappe. Als drittes folgt ein freibeweglicher Polyethylen-Gleitkern. Er vermittelt und ermöglicht die elementar wichtige Bewegung zwischen den Gelenkpartnern. Die freie Beweglichkeit befreit die Belastung der Knochenfläche von jeglichem Stress. Sämtliche Teile sind der Natur – der Anatomie – nachgebildet und werden ohne Zement implantiert. Im Unterschied zu vielen anderen Gelenkprothesen liegt der Focus hier nicht auf dem „Ersatz“ körpereigenen Materials. Der entscheidende Unterschied für den Erfolg dieser modernen Prothesen ist gerade und im Besonderen der deutlich geringe Knochenverlust bei der Resektion, die sichere zementfreie Fixierung der Komponenten sowie die freie Beweglichkeit zwischen Tibiagleitplatte und Gleitkern. Das bewirkt die Stressreduktion auf Prothesenverankerung.

Welche Sprunggelenkprothesen-Typen gibt es?

Die Forschung- und Entwicklung der Sprunggelenkprothese hat bis dato schon viele verschiedene Modelle von Sprunggelenksprothesen hervorgebracht. Dazu gehören Modelle wie die STAR®-Sprunggelenksprothese, die Hintegra®-Sprunggelenksprothese, die Salto®-Sprunggelenksprothese, die Mobility®-Sprunggelenksprothese und die BOX®-Sprunggelenksprothese. Ungeachtet ihrer sonstigen modellspezifischen Eigenschaften haben alle Typen eines gemeinsam – sie bestehen aus den klassischen bereits beschriebenen drei Elementen. Das hat unter anderem den großen Vorteil, dass bei einer eventuell nötig gewordenen Wechseloperation nicht die gesamte Sprunggelenksprothese betroffen ist, sondern nur die eine defekte Komponente. Natürlich ist jede dieser Prothesen in unterschiedlichen Formen und Größen erhältlich, so dass die Anatomie jedes einzelnen Patienten individuell berücksichtigt werden kann und die Prothese zu einem „Maßanzug“ wird. Welches Modell und welche Größe am Ende die optimale Lösung für den jeweiligen Patienten ist, liegt in der fachkompetenten Entscheidung des behandelnden Chirurgen, der speziell dafür diverse Voruntersuchungen durchführt. Entscheidungserhebliche Kriterien sind dabei unter anderem das Alter des Patienten, dessen Knochenqualität, sein Körpergewicht und der Gesundheitszustand allgemein.