Herausgeber

Priv.-Doz. Dr. med. Dipl.-Oec. med.
Alexander Joist

Asklepios Klinikum Bad Abbach
Chefarzt Orthopädie II
Kaiser-Karl-V.-Allee 3
93077 Bad Abbach

Telefon: 09405 / 18 - 2306

Handgelenkprothese

Zu den noch selten eingesetzten Prothesen gehört die Handgelenksprothese. Sie kommt erst seit der Jahrhundertwende regelmäßig zum Einsatz und kann das Handgelenk sowie einen Teil der Handwurzelknochen ersetzen. Auch wenn die Operation meist gut vertragen wird, so ist eine solche Handgelenksprothese dennoch nicht für alle Patienten die richtige Wahl in der Therapie. Je nach Alter und Belastung können andere Behandlungsmethoden sinnvoller sein. Operativ kommen als Alternativen die Nervendurchtrennung von schmerzleitenden Fasern im Handgelenksbereich in Betracht (Denervation nach Wilhelm) oder die Handgelenksversteifung (Arthrodese) in betracht. Hier entscheidet der individuelle Fall abhängig vom Patienten.

Aufbau der Handgelenkprothese

Es gibt verschiedene Arten von Handgelenksprothesen, die stets aufgrund ihrer Einsatzgebietes und der dort herrschenden Bedingungen ausgewählt werden. Der armseitige Grundkörper weist meist ein trichterförmiges Endstück auf, das sich zum Ende hin verjüngt. Auf der zum Handgelenk weisenden Seite der Speiche wird im Knochen ein Hohlraum – eine sogenannten Knochenhöhle – geschaffen, der dann das Prothesenendstück aufnimmt. Das handseitige Teilstück der Prothese weist meistens mehrere Verschraubungen auf, welche in den Bereich der Handwurzelknochen hineinreichen. In manchen Fällen ist die Prothese aber auch so groß, dass sie bis zu den unteren Fingerknochen reicht.

Einsatzbereiche und Funktion

Handgelenksprothesen werden nur selten eingesetzt. Das mag vor allem daran liegen, dass die Technik bis heute noch nicht ausreichend ausgefeilt ist und das künstliche Handgelenk eine deutlich geringere Beweglichkeit bietet sowie weitere Nachteile mit sich bringt. Deshalb werden Handgelenksprothesen heutzutage nur dann eingesetzt, wenn schwere Schäden am Handgelenk vorliegen und andere Therapieformen noch ungünstiger und weniger erfolgsversprechend sind. Zu den häufigsten Ursachen einer schweren Zerstörung des Handgelenks zählen die Handgelenksarthrose und traumatische Schäden durch Unfälle. Die Entwicklung einer Arthrose wird durch Fehlstellungen beispielsweise durch vorangegangene Brüche in Hand- oder Handgelenksbereich begünstigt. Ebenfalls als Verursacher in Frage kommen rheumatische Erkrankungen und der sogenannte Mondbeintod – ein Absterben des Handwurzelknochens mit dem Namen Mondbein aufgrund einer langfristigen Unterversorgung. Auch Infektionen des Handgelenks wie beispielsweise nach Tierbissen können eine Zerstörung des Handgelenks verursachen.

Risiken und Gegenanzeigen zur Handgelenkprothese

Um die Handgelenksprothese einzusetzen, muss das Handgelenk geöffnet und Knochenteile entfernt werden. Die Speiche muss ebenfalls geöffnet und so ausgehöhlt werden, dass das Endstück der Prothese ihren Platz findet. Die Therapie unter Einsatz eines künstlichen Gelenkes birgt zwei wesentliche Risiken, wie sie für alle Prothesen zu nennen sind. Zum einen besteht immer die große Gefahr einer Infektion im Operationsbereich. Durch das Öffnen der knöchernen Strukturen werden potentiellen Erregern Tür und Tor für tiefe und schwerwiegende Infektionen geschaffen. Diese können so schwer sein, dass eine Vielzahl weiterer Operationen und sogar der Verlust der Extremität die Folge sein können. Zum anderen ist natürlich das allgemeine Operations- und Narkoserisiko zu nennen. Je nach Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen oder ähnlichem besteht immer das Risiko von Narkoseproblemen oder Schockzuständen. Nicht zu vergessen ist natürlich die Gefahr von Prothesenschäden wie Lockerungen und Brüchen. Gerade bei der Handgelenksprothese sollte deshalb immer eine ausführliche Beurteilung der Risiken im Vergleich zu den alternativen Therapien erfolgen, um alle Vor- und Nachteile zu erkennen.

Alternative Therapien

Je nach Ursache und Ausmaß der Zerstörung des Handgelenks stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur Wahl. Im häufigsten Fall wird das Gelenk mit Hilfe einer Schiene ruhig gestellt. Das hat den Vorteil, dass die durch Bewegung entstehenden Schmerzen verhindert werden können, führt aber zeitgleich nicht zu einer Heilung, wenn innere Schäden vorhanden sind. In vielen Fällen wird das Handgelenk mit Hilfe einer Metallplatte versteift. Man unterscheidet hier die Teilversteifung und die völlige Versteifung, wobei in beiden Formen auch die Schmerznerven durchtrennt werden. Angewandt wird diese Methode vor allem dann, wenn eine Ruhigstellung und die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln zu belastend oder zu wenig effektiv sind. Sowohl die Versteifung als auch die Implantation eines künstlichen Handgelenks sind immer mit einer Operation verbunden.

Vorteile und Nachteile einer Handgelenkprothese

Sprechen alle Faktoren für eine Operation, so muss entschieden werden, ob der Einsatz einer Handgelenksprothese oder die Versteifung des Gelenkes der bessere Weg ist. Es gibt leider für die Handgelenksprothese bisher nur wenige Langzeitinformationen, aber es gibt zahlreiche Hinweise, dass sich die Prothesen unter starker Krafteinwirkung gelegentlich lockern oder lösen. Deshalb ist das künstliche Gelenk für junge, aktive Menschen eher nicht geeignet. Mit einem versteiften Handgelenk ist zwar eine deutlich geringere Beweglichkeit verbunden, gleichzeitig lässt sich damit aber mehr Druck und Kraft aufbauen. Bei älteren Patienten, die vor allem ihren Alltag bewältigen wollen und im Allgemeinen nicht mehr so beweglich sind, kann dagegen die Handgelenksprothese die richtige Wahl sein.