Herausgeber

Priv.-Doz. Dr. med. Dipl.-Oec. med.
Alexander Joist

Asklepios Klinikum Bad Abbach
Chefarzt Orthopädie II
Kaiser-Karl-V.-Allee 3
93077 Bad Abbach

Telefon: 09405 / 18 - 2306

Indikation: Wann brauche ich eine Schulterprothese?

Schultergelenksprothesen gibt es nun schon seit 50 Jahren. Aber gerade in den letzten 15 Jahren hat die Entwicklung der Schultergelenksprothesen große Fortschritte gemacht. Die Hauptindikationen für die Implantation einer solchen Schultergelenksprothese sind die primäre Omarthrose, die posttraumatische und die rheumatoide Arthrose, die avaskuläre Humeruskopfnekrose, die Instabilitätsarthrose und die Defektarthropathie. Auch Brüche, Luxationen und Tumore erzeugen Gelenkdefekte, die bei stetiger Verschlimmerung eine Schultergelenksprothese notwendig machen.

Die Omarthrose

Mit Omarthrose diagnostiziert der Arzt schlicht und einfach den Verschleiß, das heißt den Abrieb von Knorpel im Schultergelenk. Der Fokus liegt dabei konkret auf dem Oberarmkopf und/oder Schulterpfanne. Vergleichbar mit dem Verschleiß im Ellenbogen kann ein Verschleiß der Schulter zum Beispiel bei knöchernen Verletzungen durch einen Unfall oder als Spätfolge auch noch nach Jahren entstehen. Ebenso können familiär genetische Veranlagungen eine Rolle spielen. Auch Ablagerungen als Ergebnis von Stoffwechselerkrankungen können zum verstärkten Verschleiß an der Schulter beitragen.

Avaskuläre Humeruskopfnekrose

Hierbei kommt es zu einem Absterben des Oberarmkopfknochens, welcher durch die Durchblutungsstörung unterversorgt wird und langsam erweicht. Patienten, die von avaskulärer Humeruskopfnekrose als Erkrankung oder Verletzungsfolge betroffen sind, spüren zunächst nur leichte Schmerzen in der betroffenen Schulter. Der Schmerz nimmt aber über einen Zeitraum von Wochen und Monaten langsam immer mehr zu. Es beginnt eine Schonhaltung und kann sich im Laufe der Zeit in eine Bewegungseinschränkung der Schulter bis hin zur Schultersteife ausbilden.

Defektarthropathien

Hierbei tritt ein Schaden an der tiefen Schultermuskulatursehne auf. Defektarthropathien entstehen zumeist infolge eines Verschleißes vom Sehnengewebe, welcher überwiegend durch erbliche Veranlagung entsteht. Starke Schulterbelastungen und stark belastende Freizeitaktivitäten spielen ebenso eine Rolle bei der Entstehung dieser Indikation. Auch ein nicht behandelter Defekt nach einem Sturz können diese Arthropathie auslösen.

Die Diagnostik

Bei der bildgebenden Diagnostik ist die Röntgenaufnahme in verschiedenen Ebenen das wichtigste Verfahren. Anhand dieser Aufnahmen können die Abnutzungen, die Knochenanbauten und die Gelenkpfanne diagnostisch beurteilt werden. Bei indikativem Verschleiß ist der Gelenkspalt aufgehoben und angrenzend zeigen sich weiße Sklerosezonen als Ergebnis einer verstärkten Druckbelastung. Bei berechtigtem Anfangsverdacht auf eine begleitende Verletzung der Sehnenplatte (Rotatorenmanschette) oder der Weichteile allgemein ist das MRT oder ggf. die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) die dafür geeignete Diagnostik.

Die Wahl der richtigen Prothese

Die medizinische, psychologische und soziale Gesamtsituation des Patienten sollte in die Überlegungen bei der Prothesenwahl einfließen. Eine sorgfältige Anamnese ist deswegen von großer Bedeutung, um erkennen zu können, was der Patient von der Schulterprothese erwartet. Ob es in erster Linie die Schmerzfreiheit ist oder dem Patienten bestimmte Aktivitäten wichtig sind, wie eine Überkopftätigkeit, die Innenrotation, die Außenrotation oder ein bestimmter Sport sind ausschlaggebende Kriterien bei der Prothesenwahl. Die bisherige Krankengeschichte muss dazu ebenso erfasst werden wie eventuelle Begleiterkrankungen.

Hemi- oder Totalprothese?

Lange Zeit war es unklar und durchaus umstritten, wann an der Schulter einer Hemi- und wann einer Totalprothese gewählt werden sollte. Die Antwort hängt eigentlich nur davon ab, ob die Pfanne an dem pathologischen Prozess beteiligt ist, der zur Implantation der Endoprothese führt. Es stellt sich die Frage, ob die Pfanne ebenfalls bereits arthrotisch verändert ist. In diesem Fall sollte auch die Pfanne mit ersetzt werden, sofern dies technisch möglich und vertretbar ist. Zusätzliche Voraussetzung ist eine weitgehend intakte Rotatorenmanschette, weil sonst eine rasche Lockerung der Pfanne droht.