Herausgeber

Priv.-Doz. Dr. med. Dipl.-Oec. med.
Alexander Joist

Asklepios Klinikum Bad Abbach
Chefarzt Orthopädie II
Kaiser-Karl-V.-Allee 3
93077 Bad Abbach

Telefon: 09405 / 18 - 2306

Knieprothesen Indikation: Brauche ich eine Knieprothese?

Die häufigste Ursache, die eine Knieprothese erforderlich macht, ist die Arthrose. Es handelt sich dabei um eine Gelenkerkrankung, bei der der Gelenkknorpel verschleißt und früher oder später nicht nur Schmerzen bereitet, sondern auch zu Einschränkungen bei der Beweglichkeit führt.

Der wichtigste Grund für Knieprothesen

Gonarthrose: Die Arthrose im Kniegelenk

Wenn die Arthrose hauptsächlich das Kniegelenk betrifft, bezeichnet man die Erkrankung als Gonarthrose. Dabei nutzt sich der Gelenkknorpel soweit ab, dass die Flächen des Kniegelenks zerstört werden und am Ende die Knochen direkt und ungeschützt aufeinander reiben. Schon der Weg dorthin ist schmerzhaft und schränkt die Bewegung des Gelenks mechanisch und subjektiv durch das gesteigerte Schmerzempfinden ein. Eine Gonarthrose kann neben der Anamnese vor allem über ein Röntgenbild des betroffenen Kniegelenks diagnostiziert werden.

Der klassische Verlauf der Arthrose

Die Erkrankung beginnt mit feinsten Rissen, die sowohl die Knorpelschicht des Gelenks als auch die Menisken betreffen. Sie führen auf Dauer gesehen dazu, dass sich das Kniegelenk verformt. Schmerzhafte Entzündungen sind die Folge. Anfänglich bemerken die Betroffenen hauptsächlich einen leichten Schmerz, wenn sie beginnen, das Kniegelenk zu belasten, oder wenn die Gelenke unter starker Belastung stehen. Es kommt zu Schwellungen und Muskelverspannungen, die Beweglichkeit wird eingeschränkt. Die Abnutzungserscheinungen äußern sich auch in Reibegeräuschen und in einem gewissen Instabilitätsgefühl. Während diese Schmerzen anfänglich nur unter Belastung auftreten, müssen die Betroffenen später gewöhnlich auch im Ruhezustand Schmerzen erdulden.

Ursachen für eine Gonarthrose

Es gibt eine Vielzahl möglicher Ursachen, die zu einer Gonarthrose führen können. Einige häufig auftretende Ursachen sind:

  • eine dauerhafte Überbelastung oder Fehlbelastung des Kniegelenks (oft beruflich oder sportlich bedingt)
  • starkes Übergewicht, das zu einer ständigen Belastung führt bestimmte Stoffwechselerkrankungen sowie bestimmte Nahrungsmittel, die den Verlauf der Arthrose fördern können.
  • Rheumatismus
  • Infektionen
  • einseitige Fehlbelastungen durch Fehlstellung der Beine (X-Beine, O-Beine)
  • falsch zusammen gewachsene Knochenbrüche und anderweitige Verletzungen (posttraumatische Arthrose)
  • Degenerative Arthrose – während die „normale“ Arthrose altersunabhängig auftritt, ist die Degenerative Arthrose eine Erscheinung voranschreitenden Alters. Die Knieprothese sollte dabei nicht als Mittel der ersten Wahl genannt werden, da das Therapieverfahren erst bei fehlendem Erfolg nicht invasiver Therapiemethoden angewendet werden sollte. Des Weiteren müssen beim Patienten heftige invalidisierende Schmerzen (= Mobilitätsverhinderung) mit einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität vorliegen. Grundsätzlich sollte bei Therapiebeginn bereits das 60. Lebensjahr erreicht worden sein.
  • Rheumatoide Arthritis – diese Autoimmun Erkrankung beruht auf der fehlenden Eigenerkennung des Immunsystems, was zur Folge hat, dass Antikörper körpereigene Strukturen angreifen und zerstören, sodass sich beispielsweise Entzündungen des Gelenks mit Knorpelschädigung entwickeln können.
  • Posttraumatische Arthritis – auch als Unfallfolge kann es beim Aufeinandertreffen unterschiedlicher Faktoren zu einer massiven Gelenkentzündung (Arthritis nach Unfall) kommen.
  • Symptomatische Knieinstabilität – durch Schädigungen des Bandapparates kann sich beim betroffenen Patienten die Verletzungsgefahr deutlich erhöhen.
  • Knieversteifung – auch die Versteifung des Kniegelenkes kann verschiedene Ursachen haben. Vor wenigen Jahrzehnten stellte die Versteifung eines Gelenkes sogar noch eine gängige Therapiemethode dar. Ist die Versteifung jedoch zum Beispiel durch einen Unfall entstanden, so kann eine Rekonstruktion der Beweglichkeit des Gelenks erfolgen.
  • Deformationen des Kniegelenks – angeborene Defekte der Stellung oder Ausbildung des Kniegelenks können durch die Implantation einer Knieprothese korrigiert werden.

Wann eine Kniegprothese empfohlen wird

Grundsätzlich sollten Knieprothesen nur dann als Mittel der Wahl in Betracht gezogen werden, wenn bereits alle relevanten Therapiemöglichkeiten ohne Erfolg ausgeschöpft wurden. Insbesondere, wenn die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Belastungs- oder gar im Ruhezustand zu groß sind und nicht anderweitig beseitigt werden können, ist eine Kniegprothese angeraten. Auch Achsenfehlstellungen des Beines und eine fortgeschrittene Arthrose, die nicht durch eine Arthroskopie behandelt werden kann, bedingen die Nutzung einer Knieprothese.