Herausgeber

Priv.-Doz. Dr. med. Dipl.-Oec. med.
Alexander Joist

Asklepios Klinikum Bad Abbach
Chefarzt Orthopädie II
Kaiser-Karl-V.-Allee 3
93077 Bad Abbach

Telefon: 09405 / 18 - 2306

Mögliche Komplikationen der Hüftgelenksprothese

Der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenkes gehört in der heutigen Zeit bereits zum Standard der Operationen. Jährlich werden ungefähr 200.000 Hüften durch künstliche Gelenke ersetzt. Allerdings kann natürlich auch die kleinste und leichteste Operation zu Komplikationen führen.

Es gibt bei normalen Operationen einige typische Komplikationen, die bei jeder OP zustande kommen können. Dazu gehören zum Beispiel eine Thrombose durch ein Blutgerinnsel oder eine Embolie durch ein losgelöstes Teilchen davon, das sich in der Lunge, im Gehirn oder im Herzen festsetzt. Im OP-Feld kann es auch zu Verletzungen oder Entzündungen von Nerven wie dem Ischiasnerv oder dem Femoralis, dem Oberschenkelnerv, kommen. Bei jeder OP können Nachblutungen und Blutergüsse entstehen.

Im Bereich der Wunde werden deshalb Drainagen gelegt, sodass das Blut und das sich bildende Wundwasser abfließen können. Ausgelöst durch Diabetes, Hauterkrankungen oder Infektionen kann es zu Wundheilungsstörungen oder einer Verlängerung der Wundheilungszeit kommen. Durch jede OP kommt es zu einem Blutverlust, der im Bedarfsfall durch eisenhaltige Medikamente und im Ausnahmefall durch eine Bluttransfusion ausgeglichen werden kann. Um das eigene Blut des Patienten wiederverwenden zu können sollte bei der Operation eine sogenannter Cellsaver eingesetzt werden, der das bei oder nach der Operation verlorenen Blut nach einem Aufarbeitungsprozess in einer speziellen Maschine dem Patienten wieder zuführt. Die Eigenblutspende hat durch ihren hohen logistischen Aufwand und dem kurzen Verfallsdatum im klinischen Alltag seine Bedeutung verloren.

Spezielle Risiken beim künstlichen Hüftgelenk

Es kann bei dem Eingriff zu Haarrissen in den Knochen oder eventuell sogar zu einem Knochenbruch kommen. Bei einer falschen oder zu starken Bewegung kann der Hüftkopf aus der Hüftpfanne rutschen. Dies nennt man Prothesenluxation (ausgekugelt). In diesem Fall muss das Gelenk in Narkose wieder eingerenkt werden. Das Kunstgelenk und die Wundumgebung können sich infizieren, deshalb wird oftmals vorsorglich Zement mit einer Antibiotikabeigabe verwendet. Heilt ein Infekt trotz Spülung und Antibiotika nicht aus, muss das Gelenk entfernt und später ersetzt werden.

Periartikuläre Ossifikation und vorzeitige Lockerung der Hüftprothese

In den Wochen nach der OP können sich in den Muskeln im Wundbereich Kalkeinlagerungen bilden und so neue Knochenfragmente entstehen. Dadurch kann es wieder zu Einschränkungen in der Beweglichkeit und stärkere Schmerzen kommen. Zur Prophylaxe können im Vorfeld antientzündliche Medikamente verabreicht werden. Infektionen, Überbelastung oder ein Unfall können zu einer vorzeitigen Lockerung der Prothese führen. Durch eine erneute Röntgenaufnahme und insbesondere der Szintigrafie kann die Diagnose gesichert werden. Starke Schmerzen, Fieber, Unbeweglichkeit und Mattigkeit sind Begleiterscheinungen für die Prothesenlockerung.

Pro und Kontra: Hüftgelenksprothese

Der Gewinn von neuer Lebensqualität, größerer Beweglichkeit und einer starken Schmerzlinderung wiegt diese Risiken auf jeden Fall auf. Bei über 90 Prozent aller Hüft-OP’s kommt es zu deutlichen Verbesserung im Allgemeinbefinden, der Beweglichkeit und der Schmerzstärke. Die Langzeitergebnisse sind inzwischen gut bis sehr gut. Das richtige Verhalten und kontinuierliche gelenkschonende Bewegung durch den Patienten helfen bei einem langfristigen Erfolg.