Herausgeber

Priv.-Doz. Dr. med. Dipl.-Oec. med.
Alexander Joist

Asklepios Klinikum Bad Abbach
Chefarzt Orthopädie II
Kaiser-Karl-V.-Allee 3
93077 Bad Abbach

Telefon: 09405 / 18 - 2306

Hüftprothese Indikation: Wann brauche ich eine künstliche Hüfte

Ein künstliches Hüftgelenk, von vielen Patienten auch als „künstliche Hüfte“ bezeichnet, wird einem betroffenen Patienten eingesetzt, wenn dieser dauerhafte Einschränkungen in der Beweglichkeit und der Stützfunktion seines Hüftgelenkes hat und unter starken Schmerzen leidet. Diese Einschränkungen, die zur Operation führen, können unterschiedliche Ursachen haben.

Hauptursache für eine Hüftprothese ist die Coxathrose

Das Hüftgelenk ist sehr häufig von einer Gelenkabnutzung betroffen. Die chronische Erkrankung des Gelenkes verursacht die Coxathrose. 60 Prozent aller eingesetzten künstlichen Hüftgelenke sind das Resultat einer schweren Coxathrose (Coxa = Hüfte, Athrose = Verschleiß). Dabei wird der Knorpel im Hüftgelenk, der die natürliche elastische Schutzschicht eines Gelenkes ist, verletzt und es kommt zu einem stetigen Abrieb. Dieser Abrieb kann bei einer schweren Athrose (Gelenkverschleiß) auch auf den Knochen übergreifen. Die noch vorhandene Knorpelmasse büßt die Elastizität ein. Das Gleiten der Gelenkteile (Hüftpfanne und Hüftkopf) bereitet Probleme, es können sich knöcherne Randzacken bilden, die Funktion des Hüftgelenkes wird gestört und es kann durch die Reibung zu Entzündungen kommen. Die Beweglichkeit wird immer schlechter und die Schmerzen immer größer. Wenn die konservativen Anwendungen (Physiotherapie, Massagen, Wärme/Kälteanwendungen) nicht mehr helfen, dann kommt es zum Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenkes. Dies geschieht vorrangig bei weiblichen Patienten über 60 Jahren.

Mögliche Ursachen für eine Coxathrose

Bei der primären Coxathrose handelt es sich um einen Gelenkverschleiß, der ohne klar zu erkennenden Grund auftreten kann. Die sekundäre Coxathrose kann durch eine Durchblutungsstörung wie Morbus Perthes oder eine Hüftkopfnekrose hervorgerufen werden, durch rheumatische Erkrankungen wie Rheuma oder Arthritis, aggressive Bakterien oder eine Hüftdysplasie. Auch genetische Vorbelastungen, falsche Ernährung, extreme sportliche Belastungen und Übergewicht können die Gelenkstrukturen im Hüftgelenk schädigen. Kommt es im Gelenk zu Fehlbelastungen durch angeborene Deformierungen oder Stellungsfehler kann dies auch die Gelenkabnutzung fördern. Werden die Schmerzen und Gelenkveränderungen anfangs nicht richtig zugeordnet, kommt es zur Schonhaltung beim Gehen. Diese kann eine Schrumpfung des Kapselbandapparates auslösen und zur Verkürzung des Beines führen. Es kommt zu einer Gelenkveränderung, die zu einem erhöhten Gelenkinnendruck führen kann. Die Coxathrose schreitet dann in schnellen Schritten weiter vorwärts.

Weitere Gründe für das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenkes

11 Prozent aller eingesetzten künstlichen Hüftgelenke werden notwendig aufgrund von Brüchen oder Verrenkungen. Hierbei ist der Oberschenkelhalsbruch bei älteren Menschen häufig der Auslöser. Bei diesen Verletzungen können die dadurch entstandenen Durchblutungsstörungen den Verlust von Knochenmasse verursachen. Diese Nekrosen machen 7 Prozent der künstlichen Hüft-OPs aus. Eine Hochdosis-Kortisontherapie und langer Alkoholmissbrauch können ebenfalls Nekrosen auslösen. Infektionen des Hüftgelenkes oder der Gelenkschleimhaut verursachen ebenfalls degenerative Gelenkerkrankungen und den Einsatz von künstlichen Gelenken.

Voraussetzungen für eine künstliche Hüfte

Alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten sollten vor einer OP ausgeschöpft worden sein. Nur bei einer fortschreitenden schweren Coxathrose, bei nicht in Griff zu bekommenden Schmerzen und einer starken Bewegungseinschränkung ist die Gelenk-OP indiziert. Der Patient sollte das Risiko der Belastung durch eine 90-minütige OP problemlos tragen können. Eine künstliche Hüfte sollte in der Regel ab dem 60. Lebensjahr eingesetzt werden, da die durchschnittliche Haltbarkeit um die 15-20 Jahre beträgt. Nach genauer Untersuchung wird festgelegt welche Form des künstlichen Hüftgelenkes implantiert wird – eine Totalendoprothese oder eine Hemi-Prothese.