Herausgeber

Priv.-Doz. Dr. med. Dipl.-Oec. med.
Alexander Joist

Asklepios Klinikum Bad Abbach
Chefarzt Orthopädie II
Kaiser-Karl-V.-Allee 3
93077 Bad Abbach

Telefon: 09405 / 18 - 2306

Aufbau von Hüftprothesen

Um die verschiedenen Hüftprothesen zu verstehen, müssen wir uns erst mit dem Hüftgelenk befassen.

Aufbau des Hüftgelenks

Im Verlauf eines normalen Tages ist das Hüftgelenk eines der Gelenke, die im menschlichen Körper die stärksten Belastungen zu tragen haben. Jegliche Bewegung der Beine, wie das Beugen und Strecken, das An- und Abspreizen, das Innen- und Außendrehen der Beine, sind Aktionen, die nur mit einer gut beweglichen Hüfe möglich sind.

Grundsätzlicher Hüftaufbau

Der Oberschenkelknochen endet nach oben hin in einem kugelförmigen Hüftkopf, der in der Hüftgelenkpfanne des Beckenknochens liegt. Die Hüftgelenkspfanne (= Acetabulum) wird von dem Darmbein (= Os ilium), dem Schambein (= Os pubis) und dem Sitzbein (= Os ischii) gebildet. Sowohl der Kopf als auch die Pfanne sind mit einer dicken Knorpelschicht überzogen. Dieses hochentwickelte Konstrukt wird dann noch von einer Gelenkkapsel umschlossen.

Die Gelenkkapsel spendet den Gelenkteilen pausenlos die Nährflüssigkeit, die den Knorpel gesund und stark hält. Um dem Gelenk bei aller Flexibilität und Beweglichkeit die notwendige Stabilität zu verleihen, wird sie zusätzlich durch Bänder gesichert, die die stärksten im gesamten Körper sind. Die bekannte und gewohnte Beweglichkeit wird durch eine Vielzahl von Muskeln und Sehnen ermöglicht, die an den Knochenvorsprüngen des Oberschenkelknochens ansetzen. Das alles sind erst die Grundvoraussetzungen für die Bewegungen der Hüfte und der Beine.

Die volle Beweglichkeit des Hüftgelenks

Das Hüftgelenk (lat. Art. coxae) zählt zu den größten Gelenken des menschlichen Körpers. Vom Typus her handelt es sich dabei um ein Kugelgelenk. Diese Konfiguration lässt die naturgemäßen Bewegungen in allen drei Dimensionen zu. Es erlaubt die Bewegung nach vorn / hinten (Flexion / Extension), die Drehung nach außen / innen (Innenrotation / Außenrotation) sowie die Bewegung nach außen / innen (Abduktion / Adduktion).

Eine anatomische Besonderheit des Hüftgelenkes ist der CCD Winkel. Denkt man sich eine Linie durch die Mitte des Oberschenkelhalses und durch die Mitte des Oberschenkelschaftes, so entsteht der CCD-Winkel (Schenkelhalswinkel). Ein Kind hat hier einen Winkel von rund 140 bis 150°, beim Erwachsenen sind es ca. 125° und bei älteren Menschen noch ca. 115 bis 120°.

Hüftgelenke können erkranken und verschleißen

Veränderungen an der Hüfte können das Resultat von Krankheit und Entzündungen sein und dazu führen, dass ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden muss. Die bekannteste und häufigste Ursache hat nahezu den Charakter einer Volkskrankheit bekommen – die Arthrose (=Abnutzungserkrankung). Es können aber auch andere Gründe, wie zum Beispiel die Folgen von Verletzungen, sein, die zu einem Gelenkverschleiß führen. Wenn dann sämtliche Therapieformen und Heilungsmethoden nicht zu mehr Schmerzfreiheit und/oder zur Wiederherstellung der Beweglichkeit führen, dann hilft nur noch ein künstlicher Hüftgelenkersatz zur Verbesserung der Lebensqualität.

Verschiedene Arten von Hüftprothesen

Je nach Art und Schweregrad der Hüfterkrankung oder gar seiner Zerstörung stehen verschiedene Möglichkeiten der Prothesenversorgung zur Verfügung. Das Spektrum reicht dabei vom einfachen Ersatz der Hüftkopfoberfläche bis zum Einbau spezieller Tumorprothesen.

Oberflächenersatz- oder Kappenendoprothesen

Die beschädigte Gelenkoberfläche des Hüftkopfs wird durch das Implantat ersetzt. Dadurch kann viel köpereigener Knochen bei der Implantation erhalten werden. Das vereinfacht auch den möglichen Austausch des Materials nach zehn bis 15 Jahren. Diese Hüftprothese erlaubt einen großen Bewegungsumfang und kugelt auch bei größeren Verrenkungen selten aus. Oberflächenersatz- oder Kappenendoprothesen werden hauptsächlich bei normalen anatomischen Ausgangssituationen eingesetzt. Das heißt, es darf noch keine großflächige Zerstörung der Hüfte, in den Knorpelschichten oder im Knochen stattgefunden haben. Allerdings haben hier Patienten mit Nickel-, Cobalt- oder Chromallergie das Nachsehen. Das Prothesenmaterial enthält diese allergieauslösenden Stoffe. Aufgrund zahlreicher Komplikationen mit Rückrufaktionen der Firmen hat dieser Prothesentyp zunehmend an Bedeutung verloren und ist einzelnen Spezialindikationen beim jüngeren Patienten vorbehalten.

Kurzschaft- oder Schenkelhalsendoprothesen

Auch dieser Prothesentyp zählt zu den knochensparenden Implantaten. Außerdem ist diese Hüftprothese für die minimalinvasive, gewebeschonende Operationsform geeignet. Diese Hüft-Implantate bestehen aus Titanlegierungen und können daher auch bei Patienten mit Metallallergie verwendet werden. Vor allem bei jüngeren Patienten, bei denen ein Prothesenwechsel aufgrund des Alters im weiteren Leben sehr wahrscheinlich ist, hat die Kurzschaftprothese einen zunehmenden Stellenwert eingenommen.

Standardschaftendoprothesen

Diese werden oft als der Klassike der Hüftprothesen angesehen. Auch dieses Implantat kann mit gewebeschonenden Operationstechniken implantiert werden. Die bewusst raue Titanoberfläche verwächst gut mit dem körpereigenen Knochenmaterial und wird somit langfristig stabil. Die Gleitpaarung Hüftkopf und Hüftpfanne kann aus verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten (Kunststoff-Metall, Kunststoff-Keramik, Keramik-Keramik, Metall-Keramik) zum Vorteil und gemäß der Befindlichkeiten des Patienten zusammengestellt werden. Die Titanlegierungen sind sehr gewebefreundlich und fördern so den Knocheneinwuchs.

Modulare zementfreie Schaftprothese

Diese Hüftprothese erlaubt eine sichere, primäre zementfreie Fixierung im Hüftknochen. Ihr Bausteinprinzip gewährleistet eine optimale Anpassung an die individuellen anatomischen Verhältnisse des Patienten und wird so zum anatomischen Maßanzug.

Modulare Sonderprothesen

Nach Stürzen, Unfällen oder sehr weit fortgeschrittenem Krankheitsverlauf, also mit besonders ausgeprägten knöchernen Defekten und Schäden am Hüftgelenk, zum Beispiel auch nach mehrfachen Wechseloperationen oder bei Tumoren, können Sonderprothesen angefertigt werden. Selbst ein Totalersatz des Oberschenkelknochens ist heutzutage möglich.