Herausgeber

Priv.-Doz. Dr. med. Dipl.-Oec. med.
Alexander Joist

Asklepios Klinikum Bad Abbach
Chefarzt Orthopädie II
Kaiser-Karl-V.-Allee 3
93077 Bad Abbach

Telefon: 09405 / 18 - 2306

Wann kann ich wieder Sport machen?

In den letzten Jahren hat die Anzahl der Hüftgelenks- und Kniegelenksersatzimplantate eine deutliche Steigerung erlebt. Zurückzuführen ist das einerseits auf den wachsenden Anteil an Menschen über 70, welche das übliche Klientel für solche Prothesen darstellen. Anderseits nimmt aber auch die Zahl der jungen Patienten mit einem Implantat immer mehr zu. Mensch zwischen 30 und 50, die voll im Leben stehen und sich gerne sportlich betätigen möchten. Nur wie schnell ist man wieder fit genug und kann wieder Sport machen?

Zusammenhang zwischen Implantation und Sport

Es gibt mittlerweile umfangreiche Untersuchungen zum Thema Sport und Prothesen. Sie geben einen deutlichen Hinweis darauf, dass Patienten, die vor der Operation Sport betreiben und körperlich sehr fit sind, die Implantation besonders gut wegstecken und recht schnell wieder fit sind. Gleichzeitig zeigen diese Studien aber auch, dass viele Patienten, die vor der Implantation keinen Sport gemacht haben oder gar jede unnötige Bewegung aufgrund von Schmerzen vermieden haben, nach der Implantation die regelmäßigen sportlichen Aktivitäten wieder aufnehmen. Das wiederum ist auch für die Stabilität der Prothese wichtig, unterstützt doch eine gut ausgebildete Muskulatur die Funktionalität, aber auch die Haltbarkeit des Implantats entscheidend.

Prothese und Sport schließen sich nicht aus

Es spricht rein gar nichts gegen umfangreiche sportliche Aktivitäten, wenn man eine Prothese trägt. Besonders empfehlenswert sind natürlich gelenksschonende Sportarten wie Walken, Wandern und Radfahren. Auch Schwimmen und – für Wintersportler – der Skilanglauf sowie ruhigere Sportarten wie Golf sind für Prothesenträger gut geeignet. Wichtig ist dabei, dass der Patient seine eigene und die Belastbarkeit des Implantats gut einschätzen kann. Denn neben der Sturzgefahr ist die Selbstüberschätzung der Patienten die häufigste Ursache für Probleme wie Ausrenken, Lockerung oder gar Prothesenbruch.

Verbotene Sportarten

Wer ein künstliches Gelenk trägt, sollte vor allem starke Stauch und Drehbelastungen der Prothese vermeiden. Deshalb sind Sportarten mit einer großen Sturz- oder Kollisionsgefahr nicht empfehlenswert. Dazu gehören neben allen Mannschaftsballsportarten auch Sportarten mit plötzlichen Richtungsänderungen wie Tennis, Skifahren, Reiten oder Kampfsport.

Verschleiß der Prothese durch Sport?

Ganz grundsätzlich besteht schon ein Zusammenhang zwischen der Haltbarkeit der Prothese und den sportlichen Aktivitäten ihres Besitzers. Grund ist, dass die Haltbarkeit des Implantats von ihrem Gebrauch abhängt und nicht vom Alter des Patienten. Die Kombination aus Gleitdistanz – sprich Anzahl und Umfang der Bewegungen – und Belastung – Intensität der Bewegungen – ist entscheidend für den Verschleiß und damit auch die Haltbarkeit. Deshalb empfiehlt sich ein angemessenes Maß an Bewegung und Sport, um einerseits fit zu bleiben, andererseits aber die Prothese nicht zu schnell abzunutzen, weil dies unweigerlich zu einer Wechseloperation führen würde. Im Übrigen haben die klinischen Untersuchungen auch bewiesen, dass kein Zusammenhang zwischen Sport und der Prothesenlockerungsrate besteht.

Lange Pause oder schnell wieder Sporteln?

Durch die modernen Operationsmethoden ist es möglich, dass heutzutage die Patienten schon innerhalb weniger Stunden wieder in der Lage sind, sich zu bewegen und innerhalb einiger Tage wieder ins Gehen zu kommen. Nach der Reha-Phase und bei gutem Verlauf der Heilung zum Nachsorgetermin nach etwa 3 Monaten nach der Implantation kommt häufig die Sprache auf mögliche sportliche Aktivitäten. Aus Sicht der Ärzte spricht ab diesem Zeitpunkt bei optimalem Verlauf von Implantation und Heilung nichts gegen ein langsames Antrainieren. Natürlich ist dieser Wert sehr individuell und stark von der Ausgangssituation und den Implantationsumständen abhängig.