Herausgeber

Priv.-Doz. Dr. med. Dipl.-Oec. med.
Alexander Joist

Asklepios Klinikum Bad Abbach
Chefarzt Orthopädie II
Kaiser-Karl-V.-Allee 3
93077 Bad Abbach

Telefon: 09405 / 18 - 2306

Wann brauche ich eine Prothese?

Vielen Menschen kommen niemals in die schwierige Situation sich für oder gegen eine Prothese entscheiden zu müssen. Außerdem hat man auch nicht immer die Wahl, kann ein künstliches Gelenk doch in vielen Fällen der einzige Weg sein, um die persönliche Beweglichkeit und damit auch Selbständigkeit zu erhalten. Dennoch tun sich viele Patienten sehr schwer damit gerade bei sich langsam entwickelnden Erkrankungen wie Arthrose den richtigen Zeitpunkt herauszufinden, wann sie eine Prothese brauchen, um sich das Leben zu erleichtern.

Künstliche Gelenke – was wird ersetzt?

Im Grunde kann man heutzutage schon fast alle Gelenke des Menschen mit künstlichem Gelenkersatz ausstatten und damit das nicht mehr bewegliche oder beschädigte Gelenk zu ersetzen. Zu den am häufigsten ersetzten Gelenken zählen neben den Hüftgelenken vor allem die Kniegelenke. Statistiken zu Folge kommen in Deutschland jährlich etwa 210.000 Hüften und 175.000 Knie unter das Skalpell. Ebenfalls schon routinemäßig werden Schultergelenke mit ca. 10.000 pro Jahr ausgetauscht. Eher selten sind Operationen und Implantationen im Bereich der Hand- und Fingergelenke sowie der Füße einschließlich Sprunggelenk und Fußgelenke sowie der Zehen. Die statistischen Erhebungen belegen weiterhin, dass die Prothesen bei über 90 Prozent aller Patienten auch nach 15 Jahren noch intakt sind und vollumfänglich funktionieren.

Die Ursachen verstehen und sinnvoll vermeiden

Um zu erkennen, wann man eine Prothese benötigt, muss man sich mit den Ursachen auseinander setzen. Bei einem eher geringen Anteil der Prothesenimplantationen sind Unfälle mit schweren Beschädigungen an Knochen und Gelenken für die Zerstörung der natürlichen Strukturen verantwortlich. Deutlich häufiger führen vor allem fortschreitende arthritische Erkrankungen zu schweren und mit großen Schmerzen verbundenen Schäden in den Gelenken. Besonders die Knie, aber auch die Hüften, sind im Laufe des Lebens starken Belastungen ausgesetzt, was ihre natürliche Abnutzung beschleunigt. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch über Jahre hinweg unbehandelte Fehlstellungen der Gliedmaßen sowie durch Übergewicht. Die Fehlstellungen können so gering sein, dass sie unbemerkt bleiben und dennoch die Gelenke stark belasten.

Fortschreiten einer Arthrose – der Weg zur Prothese

Eine Arthrose beginnt meist mit leichten Schmerzen am betroffenen Gelenk, welche besonders bei außergewöhnlicher Belastung oder bei einem Wetterwechsel auftreten. Über die Jahre hinweg steigert sich die Erkrankung zum Dauerschmerz. Vor allem die ersten Bewegungen am Morgen werden immer schwieriger und schmerzhafter. Die Standardtherapie in diesem Stadium besteht meist aus einer Kombination von Schmerzmitteln mit – zumindest in schweren Fällen –Cortison. Letzteres wird vor allem eingesetzt, um schwere Schübe abzufangen. In den weiteren Stadien können weitere, hochwirksame Arzneimittel zur medikamentösen Behandlung der Arthrose eingesetzt werden. Allen gemeinsam ist jedoch die Tatsache, dass sie nicht nur eine positive Wirkung sondern eben auch unerwünschte Wirkungen entfalten. Dies führt dazu, dass für den Patienten der Nutzen der Medikamente im Verhältnis zur Belastung immer ungünstiger wird.

Wann brauche ich eine Prothese?

Um die Fragen nach der Notwendigkeit einer Prothese wirklich abschließen zu beantworten, muss man einen Blick auf die Alternativen werfen. Ist die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend, um den Schmerz zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten, so kommt der richtige Moment, um über eine Prothese nachzudenken. Grundsätzlich kann gesagt werden: der Patient brauch eine Endoprothese wenn

  1. chronische Beschwerden bei der Bewegung oder Belastung länger als 6 -12 Monate bestehen
  2. Schmerzmedikamente in höherer Dosierung praktisch täglich notwendig sind oder chronische Schmerzen bestehen
  3. alternative Methoden wie Krankengymnastik etc. ausgeschöpft sind
  4. nächtlicher Ruheschmerz auftritt
  5. eine hinkendes oder humpelndes Gangbild auftritt bei Hüft- und Kniebeschwerden
  6. eine erhebliche Arthrose eingetreten ist
  7.  schmerzhafte Bewegungseinschränkung des entsprechenden Gelenkes besteht

Erweist sich das künstliche Gelenk in dieser Abwägung als einzig sinnvolle Variante, so kann die Entscheidung guten Gewissens getroffen werden. Sozusagen „einfacher“ haben es Patienten, die gar keine Wahl haben, weil ihr Gelenk beispielsweise durch einen Unfall beschädigt wurde. Hier bleibt häufig gar keine Alternative, möchte man nicht riskieren, dass der Patient seine Mobilität und die Selbständigkeit vollständig verliert.