Herausgeber

Priv.-Doz. Dr. med. Dipl.-Oec. med.
Alexander Joist

Asklepios Klinikum Bad Abbach
Chefarzt Orthopädie II
Kaiser-Karl-V.-Allee 3
93077 Bad Abbach

Telefon: 09405 / 18 - 2306

Auf was muss ich mich einstellen?

Das Einsetzen einer Gelenkprothese ist nicht nur körperlich sondern auch psychisch und bezüglich der kompletten Lebenssituation ein starker Einschnitt im Leben. Viele Patienten leben vor der Implantation lange Zeit mit starken Schmerzen, weil beispielsweise eine Arthrose ihr Gelenk systematisch zerstört. Ist der Zeitpunkt erreicht, wo die Prothese die beste Option darstellt und ist die Entscheidung dafür einmal getroffen, so entwickeln viele Patienten verständliche Ängste – vor der Operation, den Schmerzen, der Zeit danach und der ungewissen Zukunft mit künstlichem Gelenk. Viele Fragen sich also: auf was muss ich mich einstellen?

Die Ausgangssituation und die Entscheidung

Der Entscheidung für eine Implantation geht meist ein langer Findungsprozess voraus. Die Vorteile der Prothese werden zigmal gegen ihre Nachteile abgewogen. Besonders die Tatsache, dass die Entscheidung für eine Prothese eine Einbahnstraßenentscheidung ist – einmal Prothese, immer Prothese – lässt viele Patienten lange zögern. Dazu kommt natürlich auch die Angst vor dem ungewissen, was im Zuge der Implantation auf den Patient zukommt.

Beratung und Vorbereitung

Im Vorfeld der Operation sollte man frühzeitig einen Termin in der gewählten Klinik oder beim ausgewählten Operateur machen, um den behandelnden Arzt und die Umstände des Krankenhauses persönlich kennen zu lernen und zu erleben. Das Beratungsgespräch wird von Seiten der Klinik meist auch genutzt, um Daten zum Patienten aufzunehmen sowie seine Vorstellungen und Ängste zu notieren aber auch zu zerstreuen. Ein umfangreicher Überblick, über alles, was im Laufe der folgenden Wochen auf den Patient zukommt, sollte unbedingt zu einer guten Beratung gehören.

Der große Tag

Rechtzeitig vor der geplanten Operation muss sich der Patient im Krankenhaus einfinden, um letzte Untersuchungen wahrzunehmen. Das Gespräch mit dem Narkosearzt und ein Allgemeincheck können zwar auch schon während der Vorbereitungsphase durchgeführt werden, kommen aber auch oft direkt vor der Operation vor. Die Nacht und die Stunden vor der Operation müssen üblicherweise nüchtern verbracht werden, um die Narkose nicht zu gefährden. Vor dem Eingriff bekommt der Patient ein Beruhigungsmittel und wird anschließend in Narkose gelegt. Nach dem zum Teil bis zu mehreren Stunden dauernden Eingriff wird der Patient bis zum vollständigen Aufwachen gründlich überwacht, bevor er unter Gabe starker Schmerzmittel zurück in sein Zimmer gebracht wird.

Die Heilung unterstützen

In Abhängigkeit von der implantierten Gelenkprothese, vom Verlauf der Operation und von der Konstitution des Patienten wird bereits wenige Stunden bis Tage nach der Implantation mit den ersten Bewegungen begonnen. In vielen Kliniken werden die Patienten im Krankenzimmer von einer Physiotherapeutin besucht, um mit den ersten Übungen zu beginnen und viel über die Prothese und den Umgang damit zu lernen. Ziel ist es, dass der Patient bis zum Verlassen der Klinik in der Lage ist, bei Hüftgelenks- oder Knieprothesen auf den eigenen Beinen zu stehen und auch ein paar Schritte zu laufen. Umso fitter der Patient vor der Operation war und umso stärker der Wille bei der Wiederherstellung mitzuhelfen, desto schneller geht die erste Phase meistens vorüber.

In der Reha – stationär oder ambulant

Nach dem Klinikaufenthalt folgt recht bald die Reha-Phase. Je nach Prothese und Zustand des Patienten kann diese stationär oder ambulant erfolgen. In dieser Phase geht es darum, dem Patienten den Umgang mit der Prothese zu verdeutlichen, die Beweglichkeit und Mobilität wieder herzustellen und die körperlichen Abläufe zu normalisieren. Außerdem lernen die Patienten viele Fakten über die Belastbarkeit ihrer Prothese und zu potentiellen sportlichen Aktivtäten kennen. Im Durchschnitt dauert die Reha-Phase etwa drei bis vier Wochen.

Ein Leben lang

Im Zeitraum von etwa drei Monaten haben sich die meisten Patienten schon so gut an ihre Prothese gewöhnt, dass sie viele Alltagsverrichtungen wieder selbständig leisten können. Nur sehr alte oder im Allgemeinen wenig mobile Patienten benötigen zu diesem Zeitpunkt noch weitreichende Unterstützung – natürlich immer in Abhängigkeit von der Prothesenart. Fitte Patienten können nach der Nachsorge zu diesem Zeitpunkt mit leichten sportlichen Aktivitäten beginnen. Seien es auch nur einige Minuten pro Tage spazieren gehen. Aber auch hier gilt: wer regelmäßig die empfohlenen Übungen macht und sich an die Nachsorgevorgaben hält, kann recht schnell wieder fit und beweglich werden. Untersuchungen zu Folge machen viele Patienten beispielsweise nach der Operation häufiger und mehr Sport als zuvor.